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14.11.2017 – Kama Aina + Hochzeitskapelle / John Chantler / Qubibi

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14. November 2017
Ort: MUG im Einstein | Einsteinstrasse 42 | 81675 München
Beginn: 20:00, Einlass: 19:30
Eintritt frei

Kama Aina + Hochzeitskapelle (JP / DE)
John Chantler (AU)
Medienkunst: Qubibi (JP)

Das Frameless Finale für 2017: Die Kollaboration von Kama Aina aus Japan mit der Münchner Hochzeitskapelle, der Noise-Tüftler John Chantler aus Australien und der japanische Videokünstler Qubibi, der die Kühle des binären Codes mit warmem Herzblut füllt.

Foto: Ryo Mitamura

Hinter Kama Aina verbirgt sich der japanische Musiker Takuji Aoyagi, der in Europa durch sein Album Club kama Aina auf Rumraket bekannt wurde, einer kostbaren Sammlung minimalistischer, verspielter Instrumentaltracks. Allein für dieses Album reiste er von Japan über Bali, Kuba und Schottland zurück nach Japan. Die Welt im Kleinen wird er auch auf seinem neuen Album zusammenbringen, das er gemeinsam mit der Hochzeitskapelle um Markus und Micha Acher in München aufnehmen wird. Die Hochzeitskapelle haben Kama Ainas „Wedding Song“ zu einem Klassiker ihres Repertoires gemacht. So kam es zu einer einzigartigen Zusammenarbeit zwischen Japan und München; und wir haben die Freude, das Ergebnis dieser Arbeit erstmalig zeigen zu dürfen. Die minimalistischen Kompositionen Kama Ainas, die zahlreiche Strukturen der elektronischen Musik entlehnen, treffen auf den sanftmütigen Rumpel-Jazz der Hochzeitskapelle. Wir sind gespannt!

John Chantler bildet den Gegenpol zur verspielten Ästhetik Kama Ainas. Seine unglaublich intensiven Klangkunstcollagen fräsen sich wie ein gleißender Lichtstrahl durch den Raum. Der gebürtige Australier, der in Schweden als Komponist und Produzent arbeitet, bedient sich der Elektronik, Synthesizern und manchmal auch Orgelpfeifen. Er lässt dabei das Organische dieser alten Instrumente auf verzerrte, verwaschene Noise-Strukturen treffen. Die durchdringende Performance „Logic Being The Lowest Form of Magic“ wurde für das ZKM Karlsruhe entwickelt und entspinnt sich komplex und minimalistisch über mehrere Kanäle.

Qubibi: Kokuhaku (Still), Foto: Qubibi

Können Maschinen Gefühle haben? Diese Frage verfolgt der Medienkünstler Qubibi aus Japan. Kazumasa Teshigawara wurde 1977 geboren und führt die Brüche und Risse seiner eigenen Biographie in minimalistische Kunstwerke fort, die auf dem binären Code basieren. Zwischen Nullen uns Einsen schafft Qubibi damit unglaublich berührende Arbeiten, die zeigen, dass sich Emotionalität und die konzeptionelle Strenge der digitalen Kunst nicht ausschließen. Im Museum of Digital Art in Zürich wird ihm derzeit eine große Einzelausstellung gewidmet und wir freuen uns, seine Videoarbeit „Kokuhaku“ zeigen zu können. Es ist ein Programm, das nie endet und immer neue Formen zwischen digitalen Strukturen und Momenten der Kindheit findet. Es entstand in Zusammenarbeit mit der japanischen Band Asa-Chang & Junray, die die Tonspur zu den lyrics Qubibis schuf.

11.10.2017 – Noveller / Jung An Tagen / Clare Rae

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11. Oktober 2017
Ort: MUG im Einstein | Einsteinstrasse 42 | 81675 München
Beginn: 20:00, Einlass: 19:30
Eintritt frei

Noveller (US)
Jung an Tagen (AT)
Medienkunst: Clare Rae (AU)

Frameless ist zurück aus der Sommerpause und zieht eine Linie von den USA, über Australien nach Österreich. Wir stellen die hypnotischen Noise-Kompositionen der New Yorker Gitarristin Noveller dem Elektrofuturismus des Wiener Talents Jung an Tagen gegenüber. Und lassen uns von Clare Raes digitalem Doppelgänger an der Hand führen.

Noveller ist das Projekt der New Yorker Komponistin und Filmemacherin Sarah Lipstate. Sie verwendet die E-Gitarre als Basis für elegische, abstrakte Klanglandschaften – lediglich durch ihr Instrument und die digitale Verfremdung erschaffen. Sie schichtet Ebene auf Ebene und baut eine Brücke zwischen abstrakter elektronischer Musik und der emotionalen Noise-Rock Kultur á la Sonic Youth. Das Resultat sind unglaublich intensive, hypnotische Kompositionen. Sarah Lipstate arbeitete bereits mit Ben Frost oder Lee Ronaldo (Sonic Youth) zusammen und begleitete Iggy Pop auf Tour.

Noveller, Foto: Priscilla C Scott

Hinter Jung an Tagen steckt nicht nur der Wiener Klangkünstler und Produzent Stefan Juster, sondern eine ganze Institution: das Virtual Institute Vienna, welches elektronische Künste als Einheit versteht. Die musikalische Ästhetik von Jung an Tagen steht dementsprechend in engem Zusammenhang mit den Mitteln der Videokunst, der Wiederholung, dem Verfremden, dem Synthetischen. Seine Tracks pendeln zwischen den repetetiven Texturen von Synthesizern und harter Klangcollage, zwischen retrofuturistischer Melodie und konzeptuellem Noise. Es klingt wie eine zeitgenössische, junge Neuvertonung von Andrej Tarkowskijs Solaris, die live auch gerne in anarchischem Elektrogewitter mündet.

Jung An Tagen, Foto: Philippe Gerlach

Die australische Videokünstlerin Clare Rae verbindet die Auseinandersetzung mit dem menschlichen Körper mit den Mitteln der Videokunst. Ihre Arbeiten sind wie eine offene Frage an die Erwartungen, die wir im Zeitalter digitaler Optimierung an uns selbst haben. Zutiefst selbstbezogen – und doch Spiegel der gesellschaftlichen Erwartungen. So auch ihr Werk „The Good Girl and the Other“, ein Videoloop nach dem Stop-Motion-Verfahren, in der sie mit sich selbst Plätze in einem Restaurant zu tauschen scheint. Clare Rae setzt sich darin mit dem Rollenverständnis des „braven Mädchens“ auseinander. Die Arbeit wirft ein ambivalentes Licht auf unser Verhältnis zu unseren digitalen Identitäten, auf die Erwartungen, die auf uns ruhen, und wie wir uns dazu verhalten.

Clare Rae: Good Girl and the Other, Video Still

11.05.2017 – Sam Prekop & John McEntire / Stefan Schneider / Karimah Ashadu

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11. Mai 2017
Ort: MUG im Einstein | Einsteinstrasse 42 | 81675 München
Beginn: 20:00, Einlass: 19:30
Eintritt frei

Sam Prekop & John McEntire (USA)
Stefan Schneider (D)
Medienkunst: Karimah Ashadu (UK / NG)

Sam Prekop und John McEntire sind zwei der prägendsten Gestalten der Chicagoer Post-Rock-Szene. John McEntire mit Tortoise, beide zusammen mit The Sea and Cake haben eine ganze Generation an Musikern geprägt. Jetzt werden die Karten neu gemischt. Wie schon „Old Punch Card“ (Thrill Jockey) setzt sich auch das aktuelle Album „The Republic“ (Thrill Jockey) deutlich von Sam Prekops Arbeiten mit the Sea and Cake oder seinen bisherigen Solo-Alben ab. Prekop schichtet abstrakte Ebenen aus modularen Synthesizern übereinander, verwebt sphärische Flächen mit stakkato-artigen Rhythmen. Und doch bahnt sich immer wieder dieses Bekenntnis zur Melodie seinen Weg. Die typische rhythmische Leichtigkeit von The Sea and Cake arbeitet sich im elektronischen Gewand an die Oberfläche, um sogar manchmal in einem harten House-Beat zu münden. Die Tracks sind genau strukturierte elektronische Mikrogeschichten. Wir sind unglaublich gespannt, wie Sam Prekop und John McEntire dieses experimentelle Set umsetzen.

Stefan Schneider ist Musiker und Photograph. Er ist Gründungsmitglied von Kreidler und To Rococo Rot und wirkte entschieden daran mit, einen spezifischen Sound Düsseldorfer Elektronik zu kreieren. Das Repetetive, Hypnotische des Krautrock verbindet sich mit der präzisen, kühlen Ästhetik der elektronischen Musik. Stefan Schneider brachte einige der spannendsten Kollaborationen auf die Bühne, die wir kennen: sei es mit Hans-Joachim Roedelius, Sven Kacirek oder Klaus Dinger. Sein Solo-Projekt Mapstation ist die wohl abstrakteste Arbeit Stefan Schneiders, feingliedrige Kompositionen aus elektronischen Versatzstücken, Flächen und Bass-Computern.

Die britisch-nigerianische Künstlerin Karimah Ashadu bringt die Ästhetik digitaler Bewegungserfassung mit dem Handgemachten zusammen. Ihre Arbeit „Makoko Sawmill“ zeigt ein Sägewerk in der Bucht von Lagos, in der Bäume aus ganz Nigeria zusammenschwimmen. Die Arbeiter des Werks werden von einer eigentümlichen, von der Künstlerin entworfenen blauen Vorrichtung im Bildvordergrund verfolgt. Die Apparatur verfolgt die Bewegung der Personen und bringt die kühle, automatische Personenüberwachung absurderweise in ein Umfeld, in dem alles per Hand gemacht wird, auch der Überwachungsapparat selbst.

05.05.2017 – Martin Messier / Lau Nau / Liam Young

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5. Mai 2017
Ort: MUG im Einstein | Einsteinstrasse 42 | 81675 München
Beginn: 20:00, Einlass: 19:30
Eintritt frei

Martin Messier (CA)
Lau Nau (FI)
Medienkunst: Liam Young: „In the Robot Skies“

Martin Messier (Prix Ars Electronica 2010) aus Montreal nutzt die elektromagnetischen Felder die uns umgeben für eine spektakuläre Performance. Die Signale dieser Felder werden mit Mikrophonen erfasst und bilden die Grundlage seiner Musik. Mit zwei überdimensionierten Schaltflächen werden eine Vielzahl an Eingängen und Ausgängen verknüpft, von Messier mit LED-Kabeln energetisch in Licht und Klang umgewandelt. Dabei bewegt er sich zwischen den zwei Schaltflächen wie zwischen den Polen der Hochspannungsanlage des Deutschen Museums. Und wer den wohligen Grusel angesichts der sich bäumenden, knallenden Ströme kennt, kann sich vorstellen, dass diese Performance ein kraftgeladenes Erlebnis ist, unsichtbare Phänomene zu einer intensiven körperlichen Erfahrung werden lässt.

Lau Nau ist Laura Naukkarinen, eine der spannendsten Vertreterinnen der finnischen experimentellen Musik. Sie verbindet die erdige Verbindlichkeit finnischer Folklore mit den abstrakten elektronischen Ebenen der digitalen Musik. Sampler, Looper und zu Flächen geronnen Stimmen heben ihre Musik in eine verquere Entrücktheit.

„In the Robot Skies“ des britischen Regisseurs Liam Young (Unknown Fields Devision) ist der erste narrative Film, der komplett mittels automatisierter Drohnen gedreht wurde. Es ist eine Auseinandersetzung mit der kulturellen Rolle der Drohne: als ambivalente Vermittlerin zwischen realer und digitaler Welt, als Mittel der Überwachung, als Objekt von Hackern und Subkulturen, und als Gefährt, mit dem sich die Teenager der Zukunft Liebesbriefe zukommen lassen.

12.04.2017 – Gletschermusik (Robert Lippok, Lillevan, Askat Zhetigen), Kim / Jung

frameless 11
12. April 2017
Ort: MUG im Einstein | Einsteinstrasse 42 | 81675 München
Beginn: 20:00, Einlass 19:30
Eintritt frei

Gletschermusik – Robert Lippok, Askat Zhetigen, Lillevan (D / KG)
KIM/JUNG (D / KR)

frameless eröffnet die Saison 2017 mit einem Fokus auf Asien: Mit Gletschermusik, einer fulminanten elektronischen Auseinandersetzung mit der Gletscherschmelze in Zentralasien. Außerdem: Das koreanische Künstlerduo KIM/JUNG mit ihrem Projekt „Schubladen“, einer tönenden Kommode voller Samples.

Foto: Violetta Bat

Für frameless11 werden der Klangkünstler Robert Lippok (To Rococo Rot), der Videokünstler Lillevan und der traditionelle kirgisische Musiker Askat Zhetigen zusammenkommen und die sehr realen Veränderungen unserer Welt in einen abstrakten elektronischen Aufbau übersetzen.
Die Goethe-Institute in Almaty und Taschkent haben 2012 ein ungewöhnliches Projekt namens Gletschermusik ins Leben gerufen: Die Klänge schmelzender Gletscher in Kunstprojekte überzuführen. Im Rahmen einer Expedition zum Tujuksu-Gletscher in Kasachstan wurden Originaltöne vom schmelzenden Gletscher aufgenommen, die als Grundlage für die Performance von Robert Lippok, Lillevan und Askat Zhetigen dienen. Hier treffen Video, Elektronik und die Komuz, eine traditionelle Laute Kirgistans, aufeinander.

Ergänzt wird der Abend durch das Objekt „Schubladen“ des koreanische Künstlerduos KIM/JUNG. Wird eine Schublade aus der Holzkommode herausgezogen, erklingt das Sample eines traditionellen asiatischen Instruments. Die Arbeit ist halb kulturelles Klangarchiv und halb elektronisches Instrument selbst. Von den Qualitäten als Instrument überzeugen Yoonji Kim und Youngjik Jung auch in einer kompakten und entrückenden Performance. Schubladendenker im besten Sinn!

mit freundlicher Unterstützung durch das

16.11.2016 – goat(JP) / Ian Hawgood / Boris Labbé

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16. November 2016, Einlass 19:30, Beginn 20:00
goat(JP)
Ian Hawgood (UK)
Boris Labbé (FR)
MUG / Einstein Kultur, Einsteinstrasse 42, 81675 München
Eintritt frei

Frameless10 steht im Zeichen der Verbindung Mensch – Maschine. Goat(JP) produzieren treibenden minimal techno – nur gänzlich ohne Elektronik. Der Musiker Ian Hawgood vermittelt zwischen analoger Kontemplation und digitaler Ästhetik, während der Medienkünstler Boris Labbé für seine Filme Aquarelle zu einem dichten digitalen Universum zusammensetzt.

goat (JP)

goat (JP)

Wie ein Saal rasselnder Nähmaschinen vibriert die Maschine, die sich goat(JP) nennt. Das Ensemble aus Osaka hat es sich zum Ziel gemacht, minimal techno ohne Elektronik zu spielen. Mit maschineller Präzision bewegen sich Schlagzeug, Gitarre, Bass und Saxophon nahezu ausschließlich rhythmisch vorwärts, spielen streng ineinander verschachtelte Muster. Die kalte Ästhetik der Robotik? Nicht ohne Grund eingeflogen aus Osaka, der Elektrotechnik-Metropole schlechthin? Keineswegs! Der Reiz von goat liegt im zutiefst Menschlichen dieser Apparatur. Die wahre Mensch-Maschine.

Ian Hawgood's Instruments

Ian Hawgood’s Instruments

Ian Hawgood ist einer der größten Netzwerker einer neuen digitalen Musik, die sich zwischen Manchester und Tokio entfaltet. Als Betreiber des Labels Home Normal hat er einen Sound geprägt, der sich zwischen elektronischer Avantgarde und menschlichem Charme bewegt. Wer auf die Liste der Veröffentlichungen des Labels blickt, erkennt alte Bekannte von frameworks und frameless: Sylvain Chauveau, Nicolas Bernier, Nils Frahm und viele mehr. Wir freuen uns besonders, dass er uns diesmal selbst beehrt, mit einem Aufbau aus verspielter Elektronik, düsteren Soundscapes und irrlichternden Visuals.

Boris Labbé, Kyrielle, Still

Boris Labbé, Kyrielle, Still

Boris Labbé bereichert den Abend um eine dichte Videoarbeit. Für „Kyrielle“ fertigte der junge französische Künstler Aquarelle in Handarbeit an, schnitt sie aus, um sie daraufhin zu digitalisieren und neu zu arrangieren. Menschliche Figuren gehen, stolpern, fallen und richten sich wieder auf. Die Bewegungen wiederholen und verdichten sich, werden zu einem massigen Schaltkreis menschlicher Regungen. Eine Collage zwischen spürbarem Handwerk und digitaler Verdichtung. Die ästhetische Erfahrung eines Zwiespalts, der unser alltägliches Leben unter digitalen Bedingungen prägt. Es verwundert nicht, dass Boris Labbé diesjähriger Preisträger der Goldenen Nica der Ars Electronica ist.

unterstützt von



06.10.2016 – Hildur Guðnadóttir / Tarquin Manek / Scott Morrison

frameless09
6. Oktober 2016, Einlass 19:30, Beginn 20:00
Hildur Gudnadottir (IS)
Tarquin Manek (AUS)
Scott Morrison (AUS)
MUG / Einstein Kultur, Einsteinstrasse 42, 81675 München
Eintritt frei

frameless 09 schlägt diesmal eine Brücke zwischen Island und Australien: Die isländische Musikerin Hildur Guðnadóttir bettet traditionelles Cello in zeitgenössische, digitale Strukturen. Der australische Soundkünstler Tarquin Manek verarbeitet gefundene Klänge und Instrumente zu einer psychedelischen, elektronischen Innenschau. Außerdem zu sehen: Videos des Medienkünstler Scott Morrison aus Melbourne, der in einer Artist in Residence am Starnberger See Arbeiten für die frameless Reihe geschaffen hat.

Hildur Gudnadottir, Foto: Antja Taiga Jandrig

Hildur Gudnadottir, Foto: Antja Taiga Jandrig

Hildur Guðnadóttir bewegt sich mühelos in dem weiten Bereich zwischen klassischer Instrumentalmusik und den Strukturen der elektronischen Musik. Ihr vielfältiges Spektrum reicht von zeitgenössischer Kammermusik, die sie mit dem Cello in ihrer isländischen Blockhütte einspielt bis zu internationalen Kooperationen mit elektronischen Noise-Künstlern wie Pan Sonic oder Schneider TM, Aufnahmen mit Johann Johannson, Hauschka oder Múm. Ihre Konzerte zeigen, wie sehr die Künstlerin in beiden Kulturen zuhause ist. Behutsame klassische Arrangements auf dem Cello werden mit dem loop-Pedal aufeinandergeschichtet, zerlegt und neu zusammengesetzt. Hildur Guðnadóttir überführt in ihren auratischen Performances die Beseeltheit isländischer Folklore ins digitale Zeitalter.

Tarquin Manek ist eines der großen, neuen Talente der experimentellen Musik Australiens rund um das Label Blackest Ever Black. Der junge Australier bringt Instrumente und andere Objekte, rau und patiniert zusammen mit kühler Elektronik und Dub-Elementen und schafft damit einen einzigartigen Sound. Dabei wird herangezogen, was gerade zur Hand ist: Klarinette, Synthesizer, Handys, Möbel, Nahrungsmittel. Die Klangsprache ist optimistisch und düster zugleich. Ein elektrisierender Performer, auf der Schwelle zwischen Nostalgie und harter Elektronik, oder wie er selbst sagt „somewhere between folk-tale and science fiction“.

Tarquin Manek, Foto: Hannah Schiefelbein

Tarquin Manek, Foto: Hannah Schiefelbein

Der australische Medienkünstler Scott Morrison arbeitet mit Naturbildern, die behutsam digital verfremdet werden und surreale Dimensionen annehmen. Morrisons Bilder zeigen die Durchdringung der Welt durch das Digitale und gleichzeitig deren verstörende Schönheit. Zusammen mit der Stadt München haben wir ihn eingeladen, den September in der Künstler Villa Waldberta am Starnberger See zu verbringen. Zu sehen ist eine Auswahl seiner bisherigen Videoarbeiten, darunter auch „tension sketch 3“. Morrison übernimmt dabei die Rolle seines Namensvetters, des australischen Politikers Morrison, der als Minister für Immigration und Grenzschutz für eine überaus harsche Flüchtlingspolitik bekannt ist. Die Videoarbeit kontrastiert idealisierte Landschaftsaufnahmen Australiens mit einer Karaoke-Spur, die dem Minister zugeschriebene Statements aneinanderreiht, die Flüchtlinge davon abhalten sollen, in das Land zu gelangen. Auf subtile Weise zeigt Scott Morrison damit die politische Bedeutung von Landschaft in einer globalisierten Gegenwart auf.

15.6.2016 Piano Interrupted / Jan Thoben & Boris Hegenbart / Magdalena Lazar

frameless 08
15. Juni 2016, Einlass 19:30, Beginn 20:00
Piano Interrupted (UK)
Jan Thoben & Boris Hegenbart (D)
Medienkunst: Magdalena Lazar (PL)
MUG / Einstein Kultur, Einsteinstrasse 42, 81675 München
Eintritt frei

frameless 08 widmet sich dem Wechselspiel zwischen organischen und technologischen Formen. Prägend dafür ist der wunderbare Dialog von Klassik und Elektronik des Londonder Trios Piano Interrupted, während Jan Thoben und Boris Hegenbart die Möglichkeiten analoger und digitaler Technologien ausloten. Die polnische Videokünstlerin Magdalena Lazar bereichert den Abend um ein ästhetisches Gedankenspiel: Die Bäume der Welt sind Antennen. Nur – was übertragen sie?

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Piano Interrupted, Foto: Claire Belhassine

Piano Interrupted lassen das organische Klavierspiel auf die kühle, abstrakte elektronische Klangwelt treffen. Das Trio aus London baut mit Piano, Klarinette und Kontrabass behutsam Texturen auf, um sie von digitalen Flächen und Rhythmen zerfasern oder zu einer dichten Intensität anschwellen zu lassen. Dabei vereinen sie eine immense Bandbreite an Einflüssen, sei es zeitgenössische klassische Musik, Jazz, Dub oder Folklore des Senegal. Die Filmmusik für ein globalisiertes, digitales Zeitalter.

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Jan Thoben & Boris Hegenbart

Welche Musik innerhalb der Technologie selbst entsteht, ist die Frage hinter dem Projekt „The Squint“ der Berliner Musiker und Künstler Jan Thoben und Boris Hegenbart. Sie erforschen, welche Bilder und Klänge aus selbst konstruierten analogen Synthesizer-Modulen gewonnen werden können. Diese Signale werden digital aufbereitet und geschärft – ein audiovisueller Rausch, eine ästhetische Untersuchung in einem abgeschlossenen, technologischen Kosmos

VLF01 magdalena lazar video still

Magdalena Lazar: VLF, still

Die polnische Künstlerin Magdalena Lazar nimmt hingegen eine gänzlich neue Perspektive ein. In der Regel versucht der Mensch, anhand von Technologien die Phänomene der Natur zu ergründen. Aber was, wenn die Natur ihrerseits längst Technologien ausgebildet hat? Die Videoarbeit VLF nimmt diesen Gedanken auf – vermeintlich dokumentarische Aufnahmen berichten über die Entdeckung, dass Bäume ihrerseits wie Antennen funktionieren und Nachrichten aus dem Erdinneren als Radiowellen in die Luft geben.

4.5.2016 Myriam Bleau / Jonas Gruska / Quayola

frameless 07
4. Mai 2016, Einlass 19:30, Beginn 20:00
Myriam Bleau (CA)
Jonas Gruska (SK)
Medienkunst: Quayola (I)
MUG / Einstein Kultur, Einsteinstrasse 42, 81675 München
Eintritt frei

Natur, die in Daten zerfällt, eine schweißtreibende Performance mit Acrylglaskreiseln und ein Fuhrpark autonomer Miniroboter aus einer Tüftlerwerkstatt in Bratislava. Frameless07 wird bunt und technoid.

Myriam Bleau: Soft Revolvers, Foto: Severin Smith

Die Klangkünstlerin Myriam Bleau aus Montreal konstruiert Kreisel aus Acrylglas: „Soft Revolvers“, deren Drehung Lichtimpulse und Elemente einer elektronischen Komposition steuert. Das Resultat klingt wie eine Mischung aus abstrakter experimenteller Musik und House, verbindet Performance-Kunst mit dem Prinzip des DJing. Das Konzert ist ungemein körperlich, eine überraschend schweißtreibende Verbindung zwischen Mensch und digitaler Maschine, die erahnen lässt, dass das Verhältnis zwischen Mensch und Technologie auch Reibungsflächen in sich birgt.

Jonas Gruska

Jonáš Gruska aus Bratislava arbeitet ebenfalls an dieser Schnittstelle, übergibt das Ruder aber vollkommen an die Maschinen. Er bringt unterschiedliche Techniken und selbst entwickelte Apparate zusammen. Kern des Ensembles sind die „Crickets“, kleine, im Raum verteilte, eigenständige Klanggeneratoren, deren Programmierung sich mit der Zeit algorithmisch entwickelt. Wie Jonáš sagt: „They just do their thing’“. Ist das die künstliche Intelligenz? Zum Glück braucht sie uns noch als Zuhörer.

Quayola: Pleasant Places

Quayola: Pleasant Places

Der italienische Medienkünstler Quayola zeigt, wie sich unsere Wahrnehmung im digitalen Zeitalter verändert. Die überdimensionierte audiovisuelle Installation „Pleasant Places“ nimmt Landschaftsgemälde von Vincent Van Gogh zum Ausgangspunkt. Deren Schauplatz fotografierte und digitalisierte Quayola und lässt ihn in der Installation in abstrakte Formen und Klänge zerfallen. Quayolas Arbeiten zeugen von dem Zerbrechen der Welt in der digitalen Abtastung und von der seltsamen Schönheit, die dabei entsteht. Nicht ohne Grund ist der Ars Electronica-Preisträger einer der wichtigsten Vertreter der digitalen Kunst der Gegenwart.

7.4.2016 Herman Kolgen / Islaja / Dina Kelberman

frameless06
7. April 2016, Einlass 19:30, Beginn 20:00
Herman Kolgen (CA)
Islaja (FI)
Medienkunst: Dina Kelberman (USA)
MUG / Einstein Kultur, Einsteinstrasse 42, 81675 München
Eintritt frei

Der Auftakt der Reihe frameless im Jahr 2016 bringt eine spannende Bandbreite an Künstlerinnen und Künstlern zum Thema der Digitalisierung zusammen. Herman Kolgen verarbeitet Geodaten zu einer fulminanten audiovisuelle Performance. Islaja verbinden finnische Folk-Musik mit der Abstraktion der elektronischen Musik, während die Künstlerin Dina Kelberman selbst als Suchmaschine aktiv wird, und eine seltsame, aberwitzige Neuordnung der Welt in Bildern vollzieht.

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Der Kanadier Herman Kolgen ist eine Ikone der Medienkunst. Seit über 20 Jahren arbeitet er an Installationen, Performances und audiovisuellen Projekten. „Seismik“ ist ein hochkomplexer Versuchsaufbau, in dem verschiedene Daten aus weltweiten geologischen Messungen in Echtzeit verarbeitet werden. Eine Antenne vor Ort füttert die Rechner Herman Kolgens zusätzlich mit den Geodaten unter dem Konzertsaal. Ein ungemein dichter audiovisueller Kosmos tut sich auf. In elektronischen Bildern und Tönen bilden die Daten unsere Welt aufs Neue ab. Die Welt als seismische Komposition – durchzogen von den Rissen und Brüchen, die den Planeten unter der Oberfläche prägen. Außerdem schenkt uns Herman Kolgen noch eine weitere Performance: Aftershock.

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Foto: Hertta Kiiski

Die finnische Sängerin Islaja zeigt eine andere Auseinandersetzung mit der digitalen Welt. In ihrer Musik treffen Elemente der traditionellen finnischen Musik auf die Ästhetik der elektronischen Musik. Wie eine digitale Collage zersetzt Islaja traditionelle Instrumente, fügt sie neu und überraschend zusammen, kittet sie mit Elektronik und exzentrischem Gesang.

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Die Künstlerin Dina Kelberman aus Baltimore wird in der Installation „I’m google“ dagegen selbst als Suchmaschine aktiv. Seit 2013 stellt sie tausende, im Internet aufgespürte Bilder in Reihe – in akribischer Handarbeit, aber ähnlich wie eine automatisierte Suchmaschine. Die Bilder weisen formale Ähnlichkeiten auf, die Motive aber verändern sich nahezu unmerklich. Ein Wasserbecken wird zu einer Bodenheizung, die Bodenheizung zu einer Turnhalle. Eine ästhetische und aberwitzige Antwort auf die Frage, wie die Algorithmen von Suchmaschinen unsere Welt neu ordnen.

18.11.2015 Lucrecia Dalt / Novi_sad & Ryoichi Kurokawa / aus & Karin Zwack

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18. November 2015
Novi_sad (GR) & Ryoichi Kurokawa (JP)
Lucrecia Dalt (CO)
aus (JP) & Karin Zwack (DE)
MUG / Einstein Kultur, Einsteinstrasse 42, 81675 München
Eintritt frei

Frameless05 bildet den Abschluss des Jahresprogramms 2015 und bringt sehr unterschiedliche Bedeutungen des Digitalen zusammen: Von einer dezidierten Datenanalyse von Börsencrashes, über die Ästhetik isländischer Überwachungskameras hin zu einer intimen, atmosphärischen Begegnung im Digitalen.

Der griechische Komponist und Konzeptkünstler Novi_sad setzt sich zusammen mit dem Visual-Künstler Ryoichi Kurokawa damit auseinander, was digitale Daten eigentlich repräsentieren, und wie sie im Verhältnis zu ihrer Wirkung in der Welt stehen. In der Performance „Sirens“ übersetzen sie die Daten verschiedener historischer Börsencrashes in ein dichtes audio-visuelles Kunstprojekt. Die Arbeit hat einen ungeheuren Sog, lässt die Zuschauer in eine verstörende Welt sinken und weist doch gerade aufgrund der aktuellen ökonomischen Ereignisse in Griechenland beunruhigende Berührungspunkte mit der Realität auf.

Novi_sad

Novi_sad

Ryoichi Kurokawa

Ryoichi Kurokawa

Lucrecia Dalt bildet dazu einen Gegenpol. Die kolumbianische Multiinstrumentalistin und Sängerin arbeitet mit dem traditionellen Rüstzeug der Singer/Songwriterin, lässt dabei persönliche und intime Momente auf die Klangräume der digitalen Musik treffen. Dalt spürt außerdem den Schnittmengen zu anderen Technologien nach, in dem sie etwa ein ganzes Album während der medialen Beschallung durch Filme komponierte.

Lucrecia Dalt, Foto: Françoise Bolechowski

Lucrecia Dalt, Foto: Françoise Bolechowski

Das gemeinsame Projekt „Halsar“ von Karin Zwack und aus – dem Pseudonym des japanischen Musikers Yasuhiko Fukuzono – geht der verborgenen und zwiespältigen Schönheit des Digitalen nach. Standbilder von Webcams, die in entlegenen Ecken Islands den Verkehr überwachen sollen, fügen sich zusammen mit Klangschleifen von „aus“ zu einer irritierenden Ästhetik der digitalen Überwachung.

Karin Zwack: Halsar, 2015

Karin Zwack: Halsar, 2015

Karin Zwack: Vatnaleid, 2015

Karin Zwack: Vatnaleid, 2015

 

28.10.2015 Leafcutter John / Darsha Hewitt / Szymon Kaliski

frameless 04
28. Oktober 2015
Leafcutter John (UK)
Darsha Hewitt (CA)
Szymon Kaliski (PL)
MUG / Einstein Kultur, Einsteinstrasse 42, 81675 München
Eintritt frei

frameless 04 setzt sich dezidiert mit der Schnittstelle Mensch – Technik auseinander. Leafcutter John, Darsha Hewitt und Szymon Kaliski eint die Arbeit an komplexen technischen Apparaturen, an selbstentwickelten Brücken zwischen Mensch und Technologie.

Leafcutter John, Foto: Blanca Regina

Leafcutter John, Foto: Blanca Regina

Leafcutter John ist eine prägende Gestalt der britischen avancierten elektronischen Musik. Als Teil von Polar Bear wurde er 2014 mit dem Mercury Price ausgezeichnet. Sein frisch erschienenes Album Resurrection ist eine fulminante und dichte elektronische Arie. Leafcutter John entwickelt darin seinen eigenen Kosmos – und schuf dafür seine eigenen Klangsysteme. So schichtete er mit einem selbst entwickelten System eine Aufnahme des Rauschens der Nordsee 7,1 Milliarden mal übereinander – für jeden Bewohner des Planeten eine Tonspur.
Für frameless zeigt Leafcutter John ein Instrument, das Lichtimpulse in digitale Klänge übersetzt. Das Flackern einer Kerze oder das rhythmische Blenden einer Signaltaschenlampe setzen sich durch „the light thing“ in digitale Klangwelten um. Dabei scheint die Lichtgeschwindigkeit der Glasfaserkabel mit der kontemplativen Ruhe zu ringen, die Leafcutter Johns Arbeiten innewohnt.

Darsha Herwitt, Foto: Sergey Dushkin

Darsha Herwitt, Foto: Sergey Dushkin

Auch Darsha Hewitt kämpft mit der Technik. In ihrer Performance „20 Oscillators in 20 Minutes“ versucht sie, die versprochene Anzahl an klangerzeugenden Stromkreisen in gesetzter Zeit zusammenzubauen. Nach Hewitt ein „experimental music performance/technical challenge/standup comedy act“ – und tatsächlich ein schlauer, ironischer Kommentar auf eine technologiebasierte Realität, die erst erzeugt werden muss. Die kanadische Klangkünstlerin ist Dozentin an der Bauhaus Universität in Weimar.

Szymon Kaliski, Foto: Marek Straszak

Szymon Kaliski, Foto: Marek Straszak

Der polnische Medienkünstler und Musiker Szymon Kaliski arbeitet an digitalen Oberflächen, die zwischen Realität und dem Digitalen vermitteln. Kaliski zeigt sowohl eine Rauminstallation als auch eine musikalische Performance.
In der interaktiven Installation Biomimesis: Hyphae wird das Wachstumsverhalten von Pilzen in digitale Strukturen übertragen – durch die Bewegung der Besucher. Jede Handbewegung wird registriert und lässt digitale Sporen keimen. Kaliski knüpft eine Verbindung von organischem Leben und digitaler Ästhetik.
Darüber hinaus entwickelt er ein elektronisches Ambient-live-Set für frameless: Als Schnittstelle zwischen Realität und digitaler Musik.

In Kooperation mit
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12.6.2015 Rayon / Machinefabriek / Akihiko Taniguchi

frameless 03
12. Juni 2015 20:30
Rayon / Markus Acher (München)
Machinefabriek (Niederlande)
Videokunst: Akihiko Taniguchi (Japan)
MUG / Einstein Kultur, Einsteinstrasse 42, 81675 München
Eintritt frei

Markus Acher, Foto: Gerald von Foris

Markus Acher, Foto: Gerald von Foris

Mit seinem Solo-Projekt Rayon verfolgt Markus Acher eine Gratwanderung zwischen elektronischem Track und Kammermusik. Der Multiinstrumentalist, Mitbegründer von The Notwist und des Labels Alien Transistor bringt Musiker wie Joasihno oder Rumpeln in einem live-Arrangement zusammen, um die Harmonie und Melancholie eines klassischen Ensembles auf die Kühle der elektronischen Musik und die abstrakten Klangwelten des Digitalen treffen zu lassen. Und was uns besonders stolz macht: Dieses Konzert von Rayon ist eine Erstaufführung, extra für die Reihe frameless komponiert.

Machinefabriek

Machinefabriek

Mit Machinefabriek fördert der Niederländer Rutger Zuydervelt eine besondere Schönheit zwischen Stille, Aufnahmen der Umgebung, vereinzelten Instrumenten und elektronischem Rauschen zutage. Diese erprobte er in bislang über 90 Einzelveröffentlichungen und nahezu ebenso vielen Kooperationen, unter anderem mit Nils Frahm, Steven Vitiello sowie zahlreichen Installationskünstlern und Filmemachern. Rutger Zuydervelt verbindet die ungeheure Vernetzung des Digitalen mit der tiefen Kontemplation, die man im Verweilen an einem besonderen Ort erfährt.
Für frameless wird er mit Tonabnehmern arbeiten, die auf Magnetfelder von Computern und Smartphones reagieren und so die physische Präsenz der Dinge hörbar machen, die digitale Räume erschaffen.

Der japanische Videokünstler Akihiko Taniguchi zeigt mit seiner Arbeit Recording of Everyday Life digital erfasste und dreidimensional simulierte Innenräume des alltäglichen Lebens. Ein Schreibtisch, neben dem sich die Kleidung stapelt, ein Waschbecken mit Föhn und Bürste, intime Orte entfalten sich als digitale Simulation. Taniguchi führt in seiner Videoarbeit die sich andeutende Vermischung von digitalen und realen Räumen weiter. Die Offenlegung des Alltäglichen auf Foren wie Twitter oder Facebook spiegelt sich in dieser faszinierenden und verstörenden Führung durch digitalisierte Räume des Privaten.


http://www.alientransistor.de
http://www.machinefabriek.nu
http://okikata.org

14.4.2015 Nicolas Bernier / Masayoshi Fujita / Timo Arnall

frameless 02
14.4.2015 20:30
Nicolas Bernier (Kanada)
Masayoshi Fujita (Japan / Berlin)
Timo Arnall (UK)
MUG / Einstein Kultur, Einsteinstrasse 42, 81675 München
Eintritt frei

Der zweite frameless-Abend zeigt einen Kontrast, der stärker nicht sein könnte: Eine Erkundung digitaler Dimensionen durch Nicolas Bernier und eine Hingabe an traditionelle Formen des Erzählens mit Masayoshi Fujita. Nichtsdestotrotz sind es gemeinsame Traditionen der digitalen Musik, die beide prägen: das Sequenzielle, das Sample, die Abstraktion. Selbst eine Performance auf einem traditionellen Instrument zeugt so von der Ästhetik des Digitalen.

Nicolas Bernier

Nicolas Bernier, Foto: Alexis Bellavance



Der Kanadier Nicolas Bernier ist einer der spannendsten Köpfe, die zwischen elektronischer Musik, Performance und Installationskunst arbeiten. Seine Arbeit Frequencies (Synthetic Variations) ist ein abstrakter elektronischer Track im Zusammenspiel mit Lichtimpulsen, die durch Acrylglasplatten geschossen werden. In absoluter Dunkelheit erkundet Bernier die ästhetischen Dimensionen des Digitalen, und entwickelt dabei einen ungeheuren Sog. Frequencies (Synthetic Variations) ist konzentriert und berauschend zugleich. Und mit dieser Meinung stehen wir nicht alleine: 2013 erhielt Nicolas Bernier die Goldene Nica der Prix Ars Electronica. Bernier arbeitet außerdem als Dozent für elektronische Musik an der Universität Montreal.

Masayoshi Fujita

Masayoshi Fujita



Den Gegensatz zur Erforschung des kühlen, digitalen Raums bildet Masayoshi Fujita. Auch Fujita arbeitet mit der Ästhetik der elektronischen Musik, wie unter anderem in Projekten mit Jan Jelinek. Die neuen Stücke des in Berlin lebenden Vibraphonisten scheinen sich jedoch gezielt von den flüchtigen, vernetzten Formen des Digitalen abzugrenzen. Masayoshi Fujitas aktuelles Album „Stories“ erzählt wie ein vertrauter Sammelband musikalische Geschichten, deren minimalistische Schönheit in ihren Bann zieht.

Timo Arnall: Robot Readable World, 2012 (Still)

Timo Arnall: Robot Readable World, 2012 (Still)

Timo Arnall: Robot Readable World, 2012 (Still)

Timo Arnall: Robot Readable World, 2012 (Still)

Timo Arnall: Robot Readable World, 2012 (Still)

Timo Arnall: Robot Readable World, 2012 (Still)



Die Videoarbeit „Robot Readable World“ des britischen Medienkünstlers und diesjährigen Transmediale-Teilnehmers Timo Arnall widmet sich indes dem Blick digitaler Augen. Aus dem Internet gefundenes Videomaterial wird mit stilisierten Rastern versehen. Es sind die Spuren der Sondierung und Kategorisierung des Alltags durch automatische Erkennungssoftware – eine fragwürdige Poesie.

http://www.nicolasbernier.com/
http://masayoshifujita.com/
http://www.elasticspace.com/

1.4.2015 Tristan Perich / Lesley Flanigan / Scott Morrison / Stéphane Garin / Celine Flamen

frameless 01
1. April 2015 20:30
Tristan Perich (USA)
Lesley Flanigan (USA)
Stéphane Garin (Frankreich)
Celine Flamen (Frankreich)
Videokunst: Scott Morrison (Australien)
MUG / Einstein Kultur, Einsteinstrasse 42, 81675 München
Eintritt frei

Sowohl Tristan Perich als auch Lesley Flanigan – zwei der spannendsten Akteure zeitgenössischer Musik aus New York – zeigen das Aufeinandertreffen digitaler Algorithmen auf klassische Instrumente oder die menschliche Stimme. Sie versinnbildlichen damit auf ästhetische Weise die Widersprüche wie auch die möglichen neuen Partnerschaften zwischen Mensch und Computer, die unser Leben unter digitalen Bedingungen prägen.

Tristan Perich, Foto: D. Yee

Tristan Perich, Foto: D. Yee

Tristan Perich aus New York ist einer der einflussreichsten Komponisten der jungen Gegenwart, die sich an der Grenze zwischen Medienkunst und Musik bewegen. Perich arbeitet mit Computerchips, die nur einen Ton zu einer bestimmten Zeit von sich geben. Diese Chips sind die Grundlage seiner 1-bit-music. So brachte er beispielsweise eine CD heraus, in dessen Plastikgehäuse mehrere Chips mit einem Kopfhörerausgang verbunden waren und führte seine Musik in Lautsprecher-Installationen im Museum of Modern Art in New York über, von denen jeder einen einzigen Ton von sich gab.
In der frameless Reihe wird Tristan Perich sowohl ein elektronisches Solo-Set spielen, als auch eine Komposition für Cello und 1-Bit-Elektronik interpretieren lassen.

Lesley Flanigan

Lesley Flanigan

Die New Yorker Künstlerin Lesley Flanigan baut Instrumente aus Holz und Lautsprechern. Mit Ihrer Stimme und Feedbacks aus den Lautsprechern schafft sie eine elegische Performance von besonderer Schönheit. Durch die elektronische Verarbeitung in Loops und Fragmenten erzeugt sie ein Spannungsfeld zwischen körperlicher Erfahrung und der Abstraktion des Digitalen.

Stéphane Garin

Stéphane Garin

Begleitet werden Perich und Flanigan von den Musikern Stéphane Garin (Ensemble 0, Percussion) und Céline Flamen (Cello). Neben den Arbeiten von Tristan Perich werden sie auch ein Stück des amerikanischen Komponisten Michael Pisaro spielen.

Die Videokunst von Scott Morrison ergänzt den Abend um eine visuelle Ebene. Der Australier arbeitet mit Naturbildern – Aufnahmen aus dem Polarmeer, die wogenden Reben eines Felds –, die digital verfremdet werden und surreale Dimensionen annehmen. Morrisons Bilder zeigen die Durchdringung der Welt durch das Digitale und gleichzeitig deren verstörende Schönheit.

http://www.tristanperich.com/
http://lesleyflanigan.com/
http://0sound.tumblr.com/
http://scottm.com.au/