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08.05.2020 – STREAM: Miki Yui, Stijn Hüwels, Matthew C. Wilson

frameless 26
Freitag, 08. Mai 2020
STREAM

Miki Yui (JP/DE)
Stijn Hüwels (BE)
Matthew C. Wilson (US)

Programm:


Miki Yui
performing for frameless
27 min
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Stijn Hüwels
performing for frameless
32 min
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Matthew C. Wilson
The Age of Autonomous Exploration
near infrared video with sound
sound design in collaboration with Francesco Cimino
2018
55 min

frameless26 steht ganz im Zeichen von Field Recordings!

Miki Yui (JP/DE)
Miki Yui ist sowohl in der bildenden Kunst als auch in der Musik beheimatet und für ihren minimalistischen und organischen Ansatz bekannt. Von einem zarten, winzigen Zischen bis zu einem fernen Summen werden elektronische Klänge und aufgenommene Geräusche mit einer narrativen Spannung in die Musik eingewoben.
Bei frameless spielt Miki Yui in ihrem Studio in Düsseldorf ein neues Set, subtil und tief hypnotisch.

Stijn Hüwels (BE)
Ebenfalls mit Field Recordings arbeitet Stijn Hüwels (Slaapwel Records). Er hat sich dem Erforschen von Klang und Materialeigenschaften verschrieben und bringt seine Musik in eine Form der Ruhe, in der Ungeklärtes seinen Raum bekommt.
Bei frameless wird er aus seinem Album Tomodachi (jap. für ‚Freunde‘) spielen, für das er zehn befreundete Musiker um Soundfragmente bat. Entstanden ist ein vielschichtiges Album und ein Beweis für das scheinbare Klischee, dass Freundschaft oft keine Worte benötigt.
Stijn Hüwels spielt in seinem Wohnzimmer in Leuven, Belgien und arbeitet audiovisuelle Aufnahmen ein, die auf seinen täglichen Spaziergängen während des Lockdowns entstanden.

Matthew C. Wilson (US)
Der amerikanische, in Holland lebende Künstler und Filmemacher Matthew C. Wilson steuert mit seiner Videoarbeit The Age of Autonomous Exploration ein Roadmovie der künstlichen Intelligenz bei. Eine Kamerafahrt, einem Testfahrzeug für die Raumfahrt gleich, erkundet die Landschaft Gran Canarias mittels Infrarot-Technik. Wilson beschäftigt sich in seiner Arbeit auf kritische Weise mit der Kolonialisierung der Insel und setzt dies in Bezug zu den Vorhaben der Menschheit, andere Planeten zu besiedeln. Der Soundtrack zum Film entstand aus modifizierten Field Recordings aus der Krypta von Casa de Colón, Gran Canaria.

Matthew C. Wilson: The Age of Autonomous Exploration, Still

Stijn Hüwels, Foto: Jolien Chielens

Miki Yui

 

22.04.2020 – STREAM: Sylvain Chauveau, Britton Powell, Eginhartz Kanter

frameless 25
Mittwoch, 22. April 2020

Eginhartz Kanter (AT)
Sylvain Chauveau (FR)
Britton Powell (US)

Programm:
Eginhartz Kanter
Taking away
Japan / Austria 2018
DCP / color
6:41
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Sylvain Chauveau
performing for frameless
Camera, Edit: Myriam Pruvot
22:40
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Britton Powell
performing for frameless
Composer, Producer, Edit: Britton Powell
Director of Photography, Co-Producer, Edit: Drew Hagelin
Additional Camera: Kieran Gillen & Cheyanne Proud
26:36

Eginhartz Kanter
Die Videoarbeit taking away zeigt die Gassen der Millionenmetropole Tokyo in der Nacht. Die apokalyptisch anmutenden Szenerien der Stille werden durch eine unerwartete Intervention jäh unterbrochen.
Ein seltsames Objekt bewegt sich langsam durch die Bildausschnitte und stört den nächtlichen Frieden der gepflegten Nachbarschaft.
In seinen Maßen erinnert die plane Fläche an einen leeren Bildschirm oder Videoscreen. Die schwarze Wand wandert durch die Straßen, überhöht den kulissenhaften Charakter der Orte. Ihre Bestimmung bleibt mysteriös. .

Sylvain Chauveau
Der in Frankreich geborene Musiker spielt eine außerordentliche Rolle in der experimentellen Musik der stillen Töne.
Er entwickelt Musik für Film und Theater und komponierte u.a. das sieben Jahre lange Stück You Will Leave No Mark On The Winter Snow, das von 2012 bis 2019 online gespielt wurde.
Ursprünglich war für frameless25 ein Klavierkonzert mit Stücken seines soeben erscheinenden Albums geplant.
Aufgrund der Ausgangsbeschränkungen in Brüssel und mangels Klavier in den eigenen vier Wänden hat Sylvain Chauveau für uns kurzerhand alles umgeworfen und ein völlig neues Set in seiner Altbauwohnung erarbeitet.
Mit Gitarre, Harmonium und den leisen Geräuschen der Brüsseler Gassen im Hintergrund nimmt er uns mit auf eine Reise. Und gänzlich ohne Verstärker wird der Titel seines neuen Albums zum Programm: Life without machines.

Britton Powell
Britton Powell aus Brooklyn ergänzt den Abend durch seine multimediale Soundperformance, die er am menschenleeren Strand von Cape Cod, Massachusetts für uns aufgenommen hat, wo er aktuell die Quarantänezeit ausharrt.
Er spielt eine neue Variante seines Sets „If Anything Is“, in der er Elektronik, Video, psychoakustische Phänomene und perkussive Elemente verbindet.
Szenerien, die in New York gedreht wurden -Hochglanz-Werbebilder collagiert mit Aufnahmen aus der unmittelbaren Brooklyner Lebensrealität- überlappen mit der Musik.
In seiner Arbeit setzt sich Powell mit einer hyperbeschleunigten Welt auseinander.
Im Kontrast dazu steht nun der leere Strand und die hereingebrochene Entschleunigung der aktuellen Situation -beinahe surreal.

Britton Powell

Sylvain Chauveau

Eginhartz Kanter: taking away, Videostill

 

03.04.2020 – STREAM: Graeme Arnfield, Dullmea, Thomas Ankersmit

frameless 24
Freitag, 3. April 2020
Beginn: 20:00

Graeme Arnfield
Sitting in Darkness
15:29 / HD Videowork / 2015
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Dullmea
performing in Porto
28:53
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Thomas Ankersmit
performing in Berlin
35:10

Graeme Arnfield (GB)
Graeme Arnfield, lebt und arbeitet in London, wo er Experimental Cinema studierte. In seinen Essayfilmen verwendet er häufig Methoden des investigativen Geschichtenerzählens. Er erforscht Mechanismen und Phänomene unserer postdigitalen Gesellschaft, wie die Verbreitung globaler und lokaler Geschichten, die Politik digitaler Netzwerke oder die ungleiche Verteilung ökologischer Güter.
In seiner Videoarbeit Sitting in Darkness dröhnt und hallt es am Himmel. Zuschauer suchen ihre Handys und filmen den Himmel ab auf der Suche nach der Quelle des Geräuschs. ‚I hope the camera picks this up‘ – Sitting in Darkness erforscht die virale Verbreitung von Fakes und die zweifelhafte Authentizität zeitgenössischer Bildwelten.

Dullmea (PT)
Dullmeas Performance für frameless kommt aus ihrem Heimstudio in Porto, Portugal.
Sofia Faria Fernandes a.k.a. Dullmea hat klassische Geige studiert und in zahlreichen Orchestern gespielt, bis sie sich auf Solopfade begab und mittels elektronischer Instrumente begann, die Horizonte von Synthesizern und ihrer Stimme auszuloten.
Sie komponiert seit längerem Musik für Theater und Tanzperformances und beschäftigt sich intensiv mit Spannungsbögen in der Musik. Prägend für sie sind sowohl die spielerischen Möglichkeiten der elektronischen Musik als auch ein Bewusstsein für Komposition und Dramaturgie.
Ihre Performance bei frameless zeigt eine Variante ihres Werks „Hemisphaeria“.

Thomas Ankersmit (NL)
Für den heutigen Abend bei frameless hat Thomas Ankersmit in seiner Berliner Wohnung eine neue „Improvisation for serge modular synthesizer“ eingespielt.
Thomas‘ Tipp: “please use speakers, not headphones”!
Seine Musik wird auf den Labels Shelter Press, PAN und Touch veröffentlicht und kombiniert komplizierte Klangdetails und rohe elektrische Energie mit einem sehr physischen und räumlichen Klangerlebnis. Akustische Phänomene wie Infraschall und otoakustische Emissionen (Geräusche aus dem Kopf, die von den Ohren selbst erzeugt werden) spielen in seiner Arbeit eine wichtige Rolle, ebenso wie eine kreative Zweckentfremdung der Geräte.

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Dullmea

Thomas Ankersmit, Foto: Mich Leemans

Graeme Arnfiels: Sitting in Darkness, Videostill

15.10.2019 – Tomoko Sauvage, David Allred, Markus Muench

frameless 23
Dienstag, 15. Oktober 2019
Ort: MUG im Einstein | Einsteinstrasse 42 | 81675 München
Beginn: 20:00 Einlass: 19:30 Eintritt frei

Tomoko Sauvage
David Allred
Markus Muench

Tomoko Sauvage; Foto: Yoshihiro Inada

Die japanisch-französische Künstlerin Tomoko Sauvage ist sowohl in der Bildenden Kunst als auch in der Musik beheimatet. Sie beschäftigt sich seit längerem intensiv mit dem Element Wasser und benutzt dabei Unterwassermikrophone oder schmelzende Eisblöcke, um akustischen Neuraum auszuloten. Bei frameless23 wird sie auf elektronisch verstärkten Porzellanschüsseln und Wassertropfen, quasi auf „natürlichen Synthesizern“ musizieren. Dabei bewegt sie sich in einem fragilen Gleichgewicht zwischen Zufall und Absicht, dem Eigenleben der Instrumente und der Virtuosität der Künstlerin.

David Allred, Foto: Michael O’Neal

Ebenfalls über Urgewalten und die menschliche Beziehung zur Natur sinnierend, beschäftigt sich der amerikanische Musiker David Allred in seinem neuen Album The Cell mit Existenziellem. Seine Arbeit als Altenpfleger hat ihn stark beeinflußt. In schwermütigen Melodien stellt er sich der Suche nach seinem Platz in der Welt und zieht viel Erhellendes aus der Beschäftigung mit dem Thema Vergänglichkeit: „In The Cell geht es darum, die Dunkelheit in unserem individuellen Leben als strategische Methode anzuerkennen, um ein tieferes Verständnis dafür zu erlangen, wie wir uns in einer extrem dissonanten Welt mit Optimismus, Harmonie und Licht fortbewegen können.“(D. Allred) Mittels Bass, Piano und Gesang erkundet er auf außergewöhnliche Weise neues Terrain des Songwritings, singt im Chor mit sich selbst oder bezieht sich auf David Lynch-Filme. Seine erhellende Performance bei frameless wird der perfekte Start in die dunkle Jahreszeit!

Die Medienkunstinstallation, die unseren Abend begleitet, kommt diesmal vom Münchner Klangkünstler Markus Muench. Er schuf anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Mondlandung mittels Original-NASA-Aufnahmen und einer eigenen Klangkomposition die Soundinstallation lunar_, die nun erstmals komplett bei frameless gezeigt wird. Unzählige Original-Aufnahmen von Gesprächen der Astronauten, Hintergrundgeräuschen, Artefakten der Übertragung hat er durchforstet, zerschnipselt, sortiert, neu zusammengefügt und daraus einen elektronischen Teppich für seine Arbeit gewonnen. Die dazu improvisierte Instrumentalspur komplettiert seine Interpretation dieses Ereignisses. Die 4-Kanal-Arbeit wird eine ganze Halle einnehmen und die Zuhörer mitnehmen auf eine sphärische Klangreise.

13.09.2019 – Tashi Wada Group (mit Julia Holter, US), Miho Hatori (ex-Cibo Matto, Gorillaz, JP), Olli Aarni (FI)

frameless 22
Freitag, 13. September 2019
Ort: MUG im Einstein | Einsteinstrasse 42 | 81675 München
Beginn: 20:00 Einlass: 19:30 Eintritt frei

Tashi Wada Group (mit Julia Holter, US)
Miho Hatori (ex-Cibo Matto, Gorillaz, JP)
Olli Aarni (FI)

Zu frameless22 begrüßen wir gleich drei großartige musikalische Acts:
Der in Los Angeles lebende Komponist Tashi Wada präsentiert sein neues Ensemble, eine Art Supergroup mit den Mitgliedern Julia Holter und Corey Fogel. Gemeinsam stellen sie Wadas neues Album ‚Nue‘ vor. Von der Verdoppelung der Töne, minimalistischen Dudelsackklängen oder sphärischem Gesang hin zum intensiven Zusammenspiel der einzelner Musiker, lassen Tashi Wadas Kompositionen diesen Elementen Raum, sich zu verbinden und zu wachsen.

Miho Hatori, vielen bekannt als die Gitarristin Noodles von Damon Albarn’s Gorillaz, ist nun auf Solopfaden unterwegs. Mit einem experimentellen Set aus Gesang, Hip Hop Beats und Elektronik begeistert die gebürtige Japanerin, die in der New Yorker Musik-Szene eine feste Größe darstellt und bereits mit Legenden wie den Beastie Boys zusammengearbeitet hat.

Der finnische Experimentalmusiker Olli Aarni ist Autodidakt und arbeitet mit einer Vielzahl an Techniken wie Collage, Feedback, Klangsynthese und Field Recording, um Musik auf der Basis dichter Klangfarben zu erzeugen. In seiner Arbeit balanciert er zwischen Minimalismus und chaotischer Komplexität. Seine über 20 LPs, CDs und Kassetten hat er auf vier Kontinenten veröffentlicht, und so freuen wir uns besonders, dass er auch in München Station macht und uns in seine Soundwelt mitnimmt

17.05.2019 – Katharina Grosse / Stefan Schneider (DE), Marja Ahti (FI)

frameless 21
Freitag, 17. Mai 2019
Ort: MUG im Einstein | Einsteinstrasse 42 | 81675 München
Beginn: 20:00 Einlass: 19:30 Eintritt frei

Katharina Grosse / Stefan Schneider (DE)
Marja Ahti (FI)

Katharina Grosse / Stefan Schneider (DE)
Ständig auf der Suche nach spannenden neuen Querverbindungen schauen wir mit großer Begeisterung dieser Kollaboration entgegen: Katharina Grosse aus Berlin, als Künstlerin für großformatige Gemälde und Installationen in grellen Farbkontrasten bekannt, gemeinsam mit Stefan Schneider aus Düsseldorf, den wir bereits mit To Rococo Rot, oder gemeinsam mit Sam Prekop und John McEntire begrüßen durften. In den späten 80er Jahren trafen sich die beiden an der Kunstakademie Düsseldorf, sie als Malerin, er als Fotograf. Ein Dialog, der sich in Freundschaft und in gemeinsamer Musik niederschlug. Grosse und Schneider führen diesen Dialog in Synthesizern mit einer bemerkenswerten Selbstverständlichkeit. Es ist kein Zufall, dass sie mit dem Albumtitel „Tiergarten“ eine Referenz an Walter Benjamin herstellen. Walter Benjamin prägte die Vorstellung des Flaneurs, der die Großstadt des frühen 20. Jahrhunderts ohne Wertung und Vorurteil in sich aufsog. Und so wie bei Benjamin Eindrücke ungefiltert in das Bewusstsein strömen, geben Grosse und Schneider diese Eindrücke in der Musik wieder. Affekte wie Wut oder Behutsamkeit prägen die Musik, haben aber keine Wertung für sie. Sie sind, was sie sind – so Katharina Grosse. Für das Konzert bei frameless werden sie das Prinzip des Dialogs in den Raum übertragen und zwei Hallen bespielen.

Marja Ahti (FI)
Dialogisch arbeitet auch die schwedisch-finnische Musikerin Marja Ahti aus Turku. Sie sammelt Field Recordings und Klangmaterial aus akustischen Instrumenten zusammen, um sie mit Synthesizern und elektronischem Feedback gegenüberzustellen, bis die zwei Pole in ein Verhältnis treten, sich imitieren, miteinander kommunizieren. Und wie viele hochgeschätzte Musikerinnen aus Finnland arbeitet sie mit den Schnittstellen zu Performance, Tanz und Klangkunst.

02.05.2019 – Félicia Atkinson (FR), Stéphane Garin / Jean-Philippe Gross (FR), Emma Heiðarsdóttir (ISL)

frameless 20
Donnerstag, 02. Mai 2019
Ort: MUG im Einstein | Einsteinstrasse 42 | 81675 München
Beginn: 20:00 Einlass: 19:30 Eintritt frei

Félicia Atkinson (FR)
Stéphane Garin / Jean-Philippe Gross (FR)
Medienkunst: Emma Heiðarsdóttir (ISL)

Nach der Winterpause ist frameless mit gleich zwei Abenden im Mai zurück. Am 2.5. startet die Reihe mit einem Fokus auf das Neue und Utopische.

Félicia Atkinson ist wohl eine der zentralen Figuren der europäischen experimentellen Musik der Gegenwart. Wie keine zweite bildet sie den Schulterschluss zur bildenden Kunst, Literatur und Publizistik. Sie nimmt die unterschiedlichsten Bezüge mit einer seltenen Leichtigkeit in sich auf, macht Spannungsfelder zwischen Stille und Noise, Improvisation und strenger Struktur auf, um eine gänzlich neue Art von Ästhetik zu verfolgen. Aus archaisch anmutenden Elementen, einzelnen Melodien, geflüsterten Zeilen und Field Recordings setzt sie Stücke zusammen, die dieser Welt enthoben zu sein scheinen.
Es überrascht nicht, dass sich Atkinson in ihrer musikwissenschaftlichen Dissertation mit Instrumenten und Programmen beschäftigt, die auf utopische Weise entwickelt wurden. Bezüge zu Science Fiction, Musique Concrète und Noise-Kultur verstricken sich bei ihr zu einer unverwechselbaren Poetik.

Foto: Shelter Press

In ihrer Performance Dénombrement durchleuchten Stéphane Garin und Jean-Philippe Gross die Strecken zwischen akustischen Instrumenten und der Diffusion durch ein elektronisches Klangsystem. Wir kennen und schätzen Stéphane Garin besonders aus seiner Zusammenarbeit mit Sylvain Chauveau als Ensemble 0, in dem er fragile Melodien und Rhythmen ineinander webt. Projekte wie Dénombrement, die erste Zusammenarbeit der beiden Künstler Stéphane Garin und Jean-Philippe Gross, vertiefen einen experimentelleren Fokus. Das Projekt vermisst den Raum und die Zeit, die ein Klang zurücklegt, wie er durch die elektronische Verarbeitung pulverisiert wird. Ein vorsichtiger und behutsamer Vermessungsprozess, unter Spannung wie in einem Teilchenbeschleuniger. Das Resultat ist das Konzentrat aus einem sonst stillen Zwischenraum, von einer seltsamen, fast mysteriösen Intensität.

Foto: Gérôme Blanchard

Die isländische Künstlerin Emma Heiðarsdóttir erforscht die Grenzen zwischen Formen und Alltagswelten. Ihre Videoarbeit Piling / Unpiling zeigt die schleichende Veränderung zweier Laubhaufen. Der eine nimmt ab, der andere nimmt zu. Wie der Ladebalken am Bildschirm. Wie der Transfer von Datenmengen. Eine universelle Meditation über die Mengenlehre, die sich aus dem Alltag in die digitale Welt und von dort in die Metaphysik fortsetzt.

Emma Heiðarsdóttir: Piling / Unpiling, Videostill

14.11.2018 – Pan American (US), Annabelle Playe (FR), Lilli Kuschel (DE)

frameless 19
Mittwoch, 14. November 2018
Ort: MUG im Einstein | Einsteinstrasse 42 | 81675 München
Beginn: 20:00 Einlass: 19:30 Eintritt frei

Pan American (US)
Annabelle Playe (FR)
Medienkunst: Lilli Kuschel (DE)

Die letzte Ausgabe von frameless für das Jahr 2018 bringt KünstlerInnen aus den USA, Frankreich und Deutschland zusammen. Pan American ist eine Legende der abstrakten elektronischen Gitarrenmusik Nordamerikas. Annabelle Playe präsentiert die Performance „Geyser“ in einem Geflecht aus analogen Synthesizern, während die Filmemacherin Lilli Kuschel die Grenzen von Realität und Fiktion in der marokkanischen Wüste erörtert.

Nach Asa-Chang & Junray geht der Herbst der Legenden weiter: Pan American erblickte vor 20 Jahren das Licht der Welt, als Solo-Projekt des Labradford-Gründungsmitglieds Mark Nelson. Bereits für Labradford prägte Nelson eine neue Verschmelzung: Er führte die sphärischen Gitarrenlandschaften, die für das Kranky Label typisch waren, mit elektronischen Elementen aus House und Dub zusammen. Eine hypnotische und melancholische Landschaft aus sich wiederholenden melodischen Fragmenten und abstraktem Noise, die Mark Nelson seitdem auf unverwechselbare Art und Weise zusammenfügt. Für frameless reist er mit E-Gitarre, Elektronik und Hackbrett an.

Annabelle Playe ist eine französische Musikerin und Künstlerin. In zahlreichen Projekten hat sie sich den Wechselwirkungen von Text, Bild und Klang gewidmet, um letztlich ein rein musikalisches Set zu entwickeln, das inhaltliche Fragen anhand des Klangs entwickelt. Mit mehreren analogen Synthesizern, Effektgeräten und anderen Geräuschquellen erschafft sie eine energetische, konzentrierte Komposition aus Strukturen, Flächen, Noise und Rauschen. Die Performance „Geyser“ variiert zwischen erzählerischen Strukturen und abstraktem Zerfall und soll – so Playe – reflektieren, wie wir die Welt und uns darin wahrnehmen. Manchmal in stiller Energie, manchmal eruptiv wie ein Geysir.

Die Filmemacherin Lilli Kuschel konfrontiert in Ihrer Arbeit „Atlas Cinema“ die Realität mit der medialen Wirklichkeit, die ihr angetragen wird. Der Film offenbart verlassene Filmsets und Kulissen vor der Landschaft des Atlas-Gebirges und kontrastiert sie mit der Tonspur der dort gedrehten Filme wie etwa Lawrence von Arabien. Touristen stapfen durch Schauplätze des einstigen heroischen Gestus. Der Alltag der Bauern auf ihren Quads bildet einen Gegensatz zur statischen Verlassenheit der Kulissen. In stillen, konzentrierten Bildern analysiert Kuschel die Wegstrecke von der Realität in die Fiktion – und den zerklüfteten Weg zurück.

Foto: Lilli Kuschel

11.10.2018 – ASA-CHANG & Junray (JP), Arturas Bumšteinas (LT), Jana Winderen (NO)

frameless 18
Donnerstag, 11. Oktober 2018
Ort: MUG im Einstein | Einsteinstrasse 42 | 81675 München
Beginn: 20:00 Einlass: 19:30 Eintritt frei

ASA-CHANG & Junray (JP)
Arturas Bumšteinas (LT)
Medienkunst: Jana Winderen (NO)

Frameless ist zurück aus der Sommerpause und bringt drei Premieren nach München: Die fasziniernd verquere Welt des zu einem Viertel maschinellen Ensembles ASA-CHANG & Junray aus Tokio, den Klangarchäologen Arturas Bumšteinas aus Vilnius sowie eine Sound-Installation von Jana Winderen, die die verborgene Welt der Tiefsee mit digitalen Technologien erforscht.

Foto: Fuminari Yoshitsugu

Wenn wir unsere Hand für etwas ins Feuer legen, dann dafür. Es ist tatsächlich gelungen, ASA-CHANG & Junray nach Deutschland zu holen. Im Kern besteht das Ensemble aus ASA-CHANG, einem japanischen Perkussionisten, und der Maschine Junray-Tronics, ein von den Tabla-Trommeln ASA-CHANGS angesteuerter Sprachsampler. Seit 20 Jahren erschaffen sie einen eigentümlichen Kosmos, in dem zerstückelte Sprachfragmente elektronisch rhythmisiert auf wunderschöne und doch sehr rätselhafte Instrumentalarrangements treffen. Die tiefe, verstörende Melancholie einer Roboterseele. ASA-CHANG wird zusammen mit Yoshihiro Goseki (Klarinette, Flöte) und Anzu Suhara (Violine) auftreten – und natürlich mit dem vierten Bandmitglied: Junray-Tronics.

Foto: Linda Persson

Arturas Bumšteinas ist einer der spannendsten Klangkünstler des Baltikums und arbeitet in Installationen, Performances und Theaterformaten. Ein Schwerpunkt ist die Auseinandersetzung mit kollektiver und individueller Erinnerung und der Frage, wie sie sich aus Archiven, Fragmenten und Klängen zusammensetzt. Die Tonträger an sich spielen dafür eine zentrale Rolle, sei es in seiner Arbeit mit alten Medien aus dem Wiener Phonogrammarchiv, oder in seiner Performance mit historischen „Noise-Machines“ aus Renaissancetheatern, die als Vorläufer der digitalen Special Effects mechanische Klangillusionen erzeugten. Wir sind gespannt – die Performance von Arturas Bumšteinas wird eigens für frameless entwickelt. Gerüchte besagen, dass er sich diesmal mit der Geschichte des Eurovision Song Contests beschäftigen könnte.

Ergänzt werden die Konzerte durch die Klanginstallation „restless“ von Jana Winderen an der Schnittmenge von Kunst und Wissenschaft. Die renommierte Klangkünstlerin fördert mit ihren Field-Recordings von Phänomenen, die für Menschen weder wahrnehmbar noch erreichbar sind, eine komplexe akustische Schönheit hervor. Im Falle von „restless“ sind das die Geräusche von Krustentieren, die in verschiedenen Areale der Tiefsee leben. Digitale Technologie nimmt für ihre Arbeit eine Schlüsselrolle ein. Sie ist es, die verborgene Muster der Natur zu erfassen vermag und in verschiedenen Ebenen des Klangs zu neuen Formen zusammensetzt. Winderen kann sowohl auf eine naturwissenschaftliche Ausbildung mit Schwerpunkt Fischökologie an der Universität Oslo als auch auf ein Kunststudium an der Goldsmiths University of London zurückblicken und wurde 2011 mit der Goldenden Nica der Ars Electronica ausgezeichnet.

25.04.2018 – Lawrence English / Antti Tolvi / Lynne Marsh

FRAMELESS17
25. April 2018
Ort: MUG im Einstein | Einsteinstrasse 42 | 81675 München
Beginn: 20:00 | Einlass: 19:30
Eintritt frei

Lawrence English (AU)
Antti Tolvi (FI)
Medienkunst: Lynne Marsh (CA)

Bei frameless17 treffen die dichte, elektronische Soundlandschaft des australischen Musikers, Installationskünstlers und Labelbetreibers Lawrence English auf ein Klavierkonzert des finnischen Experimentalmusikers und Insulaners Antti Tolvi, das aus einem einzigen handgespielten Klavierloop besteht.

Foto: Traianos Pakioufakis

Der Australier Lawrence English arbeitet als Komponist, Medienkünstler und Kurator. Mit seinem Label Room40 hat er die experimentelle elektronische Musik geprägt. Seine Arbeiten sind Grenzerfahrungen. In einem audiovisuellen Rausch aus Licht, Nebel und Klangschichten geht er an die Grenzen der Wahrnehmung, verschiebt nahezu unmerklich unsere Grundbedingungen, um einen vollständig neuen Zustand herzustellen. Dazu arbeitet er mit den Mitteln der elektronischen Musik, bei aller Wucht subtil arrangiert und komponiert. Der Name des Sets ist Programm: Cruel Optimism.

Antti Tolvi ist ein finnischer Klangkünstler, der inzwischen auf einer Schäreninsel zwischen Turku und Helsinki lebt und arbeitet. Die ihnumgebenden Dinge bestimmen seine Arbeit: Farngewächse und ihre akustischen Eigenschaften, die menschliche Bewegung, die er zusammen mit Tänzern analysiert, oder die Traktoren der Bauern im ihn umgebenden Dorf, die er für eine gemeinsame Performance versammelte und zu einer Komposition aus Motoren zusammenführte. Bei frameless zeigt er eine Arbeit, die aus einem einzigen Klaviermuster besteht. Wie ein endloser Loop aneinandergereiht, entwickelt das Stück einen tranceartigen Sog und verbindet das körperliche des Instruments und der menschlichen Wahrnehmung mit der digitalen Logik des Loops.

Lynne Marsh, Plänterwald, Filmstill

Ergänzt werden die Konzerte durch die Videoarbeit „Plänterwald“ von Lynne Marsh. Die kanadische Videokünstlerin, die in Los Angeles lebt, setzt sich mit der menschlichen Wahrnehmung auseinander und wie diese durch Medien und Bilder beeinflusst wird. In „Plänterwald“ fingiert sie einen Ritt auf der Achterbahn des stillgelegten DDR Vergnügungsparks im Osten Berlins. Die langsame, mit fein komponierten Audiosignalen versetzte Fahrt auf den rostigen Schienen verschiebt verschiedene Ebenen der Gegenwart und Vergangenheit dieses Ortes durch die Stilmittel der Virtual Reality. Sie simuliert die Wahrnehmung einer programmierten Welt durch eine Virtual-Reality-Brille und bringt damit ein prägendes Paradox auf den Punkt: Die digitale Welt bestimmt die Wahrnehmung der Realität.

10.04.2018 – Gamut Inc / Yen Tzu Chang / Axel Stockburger

FRAMELESS16
10. April 2018
Ort: MUG im Einstein | Einsteinstrasse 42 | 81675 München
Beginn: 20:00 | Einlass: 19:30
Eintritt frei

Gamut Inc (DE/PL)
Yen Tzu Chang (TW)
Medienkunst: Axel Stockburger (AT)

Die Reihe zu experimenteller Musik und Medienkunst im digitalen Zeitalter startet 2018 mit Gamut Inc, Yen Tzu Chang und Axel Stockburger. Die taiwanesische Künstlerin Yen Tzu Chang wird eine audiovisuelle Performance mit einer überdimensionierten Nachbildung ihres eigenen Herzens präsentieren. Mit selbstkonstruierten Instrumenten erforscht das Berliner Ensemble Gamut Inc die Interaktion zwischen elektronischer und instrumenteller Musik. Eine Videoarbeit von Axel Stockburger geht auf ästhetische Weise Katastrophen in der Finanzwelt nach, und der Frage, was zu dicke Finger auf Tastaturen damit zu tun haben.

Gamut Inc sind Marion Wöhrle, Computermusikerin und Grafikerin aus Berlin, und der Danziger Komponist Maciej Śledziecki. Sie erforschen die Wechselwirkung von traditionellen Instrumenten und Computermusik in zahlreichen interdisziplinären Projekten, die sie gemeinsam mit Medienkünstlern, Architekten oder Akteuren des zeitgenössischen Theaters entwickeln. In ihren Performances arbeiten sie mit selbstkonstruierten Musikmaschinen, die die Tradition barocker Instrumentalmusik mit den Mechanismen digitaler Musik kombinieren. Auf eindrucksvolle und spürbare Weise zeigen Sie uns, dass Algorithmen kein reines Thema der letzten 15 Jahre sind. Mathematik und Musikmaschinen waren auch vor der digitalen Wende eng verzahnt: Binäre Systeme sind keine Innovationen, sie sind seit hunderten Jahren essentieller Teil unserer Kultur und Ästhetik.

Foto: Yin-Wen Lin

Die taiwanesische Klang- und Medienkünstlerin Yen Tzu Chang lebt seit 2014 in Linz, wo sie an den Schnittstellen technischer und medizinischer Objekte zur Klangkunst arbeitet. Dafür konstruiert sie hybride Versuchsaufbauten. Bei frameless zeigt sie die für die Ars Electronica entwickelte Performance „Whose Scalpel“. Als Grundlage nimmt sie Prozesse der modernen, digitalisierten Medizin – wie bildgebende Verfahren und künstliche Intelligenz – um an einer mittels MRT generierten, überdimensionalen Nachbildung ihres Herzens einen fein komponierten Dialog zwischen dem Organischen und dem Maschinellen herzustellen. So wie sie in der Performance Anweisungen der künstlichen Intelligenz ausführt und in elektronische Klänge übersetzt, wird der Chirurg der Zukunft mit Big Data und Deep Learning auf Datenbanken des Wissens zugreifen, um Entscheidungen zu treffen. Wer wird in Zukunft das Skalpell führen?

Fat Finger Confession, video still © Axel Stockburger 2013

Flankiert werden die Performances von der Videoarbeit „Fat Fingers Confession“ des Wiener Medienkünstlers Axel Stockburger. In seinen Werken setzt er sich oftmals mit den realen Konsequenzen digitaler Phänomene auseinander. In der gezeigten Arbeit behandelt Axel Stockburger die Ursachen des Börsencrashs vom 6. Mai 2010. Für diesen Vorfall wurde ein menschlicher Tippfehler verantwortlich gemacht – verursacht z.B. durch zu dicke Finger auf der Tastatur – wohingegen ein Fehler in den Algorithmen viel wahrscheinlicher ist. Dass ein menschliches Fehlverhalten Ursache für diese folgenschwere Ereignisse sein soll, steigert – so Stockburger – das Vertrauen in eine weitgehend autark handelnde, automatisierte Ökonomie. Die Videoarbeit ist ein fingiertes Interview mit dem vermeintlich verantwortlichen Broker – und seinen dicken Fingern.

14.11.2017 – Kama Aina + Hochzeitskapelle / John Chantler / Qubibi

frameless 15
14. November 2017
Ort: MUG im Einstein | Einsteinstrasse 42 | 81675 München
Beginn: 20:00, Einlass: 19:30
Eintritt frei

Kama Aina + Hochzeitskapelle (JP / DE)
John Chantler (AU)
Medienkunst: Qubibi (JP)

Das Frameless Finale für 2017: Die Kollaboration von Kama Aina aus Japan mit der Münchner Hochzeitskapelle, der Noise-Tüftler John Chantler aus Australien und der japanische Videokünstler Qubibi, der die Kühle des binären Codes mit warmem Herzblut füllt.

Foto: Ryo Mitamura

Hinter Kama Aina verbirgt sich der japanische Musiker Takuji Aoyagi, der in Europa durch sein Album Club kama Aina auf Rumraket bekannt wurde, einer kostbaren Sammlung minimalistischer, verspielter Instrumentaltracks. Allein für dieses Album reiste er von Japan über Bali, Kuba und Schottland zurück nach Japan. Die Welt im Kleinen wird er auch auf seinem neuen Album zusammenbringen, das er gemeinsam mit der Hochzeitskapelle um Markus und Micha Acher in München aufnehmen wird. Die Hochzeitskapelle haben Kama Ainas „Wedding Song“ zu einem Klassiker ihres Repertoires gemacht. So kam es zu einer einzigartigen Zusammenarbeit zwischen Japan und München; und wir haben die Freude, das Ergebnis dieser Arbeit erstmalig zeigen zu dürfen. Die minimalistischen Kompositionen Kama Ainas, die zahlreiche Strukturen der elektronischen Musik entlehnen, treffen auf den sanftmütigen Rumpel-Jazz der Hochzeitskapelle. Wir sind gespannt!

John Chantler bildet den Gegenpol zur verspielten Ästhetik Kama Ainas. Seine unglaublich intensiven Klangkunstcollagen fräsen sich wie ein gleißender Lichtstrahl durch den Raum. Der gebürtige Australier, der in Schweden als Komponist und Produzent arbeitet, bedient sich der Elektronik, Synthesizern und manchmal auch Orgelpfeifen. Er lässt dabei das Organische dieser alten Instrumente auf verzerrte, verwaschene Noise-Strukturen treffen. Die durchdringende Performance „Logic Being The Lowest Form of Magic“ wurde für das ZKM Karlsruhe entwickelt und entspinnt sich komplex und minimalistisch über mehrere Kanäle.

Qubibi: Kokuhaku (Still), Foto: Qubibi

Können Maschinen Gefühle haben? Diese Frage verfolgt der Medienkünstler Qubibi aus Japan. Kazumasa Teshigawara wurde 1977 geboren und führt die Brüche und Risse seiner eigenen Biographie in minimalistische Kunstwerke fort, die auf dem binären Code basieren. Zwischen Nullen uns Einsen schafft Qubibi damit unglaublich berührende Arbeiten, die zeigen, dass sich Emotionalität und die konzeptionelle Strenge der digitalen Kunst nicht ausschließen. Im Museum of Digital Art in Zürich wird ihm derzeit eine große Einzelausstellung gewidmet und wir freuen uns, seine Videoarbeit „Kokuhaku“ zeigen zu können. Es ist ein Programm, das nie endet und immer neue Formen zwischen digitalen Strukturen und Momenten der Kindheit findet. Es entstand in Zusammenarbeit mit der japanischen Band Asa-Chang & Junray, die die Tonspur zu den lyrics Qubibis schuf.

11.10.2017 – Noveller / Jung An Tagen / Clare Rae

frameless 14
11. Oktober 2017
Ort: MUG im Einstein | Einsteinstrasse 42 | 81675 München
Beginn: 20:00, Einlass: 19:30
Eintritt frei

Noveller (US)
Jung an Tagen (AT)
Medienkunst: Clare Rae (AU)

Frameless ist zurück aus der Sommerpause und zieht eine Linie von den USA, über Australien nach Österreich. Wir stellen die hypnotischen Noise-Kompositionen der New Yorker Gitarristin Noveller dem Elektrofuturismus des Wiener Talents Jung an Tagen gegenüber. Und lassen uns von Clare Raes digitalem Doppelgänger an der Hand führen.

Noveller ist das Projekt der New Yorker Komponistin und Filmemacherin Sarah Lipstate. Sie verwendet die E-Gitarre als Basis für elegische, abstrakte Klanglandschaften – lediglich durch ihr Instrument und die digitale Verfremdung erschaffen. Sie schichtet Ebene auf Ebene und baut eine Brücke zwischen abstrakter elektronischer Musik und der emotionalen Noise-Rock Kultur á la Sonic Youth. Das Resultat sind unglaublich intensive, hypnotische Kompositionen. Sarah Lipstate arbeitete bereits mit Ben Frost oder Lee Ronaldo (Sonic Youth) zusammen und begleitete Iggy Pop auf Tour.

Noveller, Foto: Priscilla C Scott

Hinter Jung an Tagen steckt nicht nur der Wiener Klangkünstler und Produzent Stefan Juster, sondern eine ganze Institution: das Virtual Institute Vienna, welches elektronische Künste als Einheit versteht. Die musikalische Ästhetik von Jung an Tagen steht dementsprechend in engem Zusammenhang mit den Mitteln der Videokunst, der Wiederholung, dem Verfremden, dem Synthetischen. Seine Tracks pendeln zwischen den repetetiven Texturen von Synthesizern und harter Klangcollage, zwischen retrofuturistischer Melodie und konzeptuellem Noise. Es klingt wie eine zeitgenössische, junge Neuvertonung von Andrej Tarkowskijs Solaris, die live auch gerne in anarchischem Elektrogewitter mündet.

Jung An Tagen, Foto: Philippe Gerlach

Die australische Videokünstlerin Clare Rae verbindet die Auseinandersetzung mit dem menschlichen Körper mit den Mitteln der Videokunst. Ihre Arbeiten sind wie eine offene Frage an die Erwartungen, die wir im Zeitalter digitaler Optimierung an uns selbst haben. Zutiefst selbstbezogen – und doch Spiegel der gesellschaftlichen Erwartungen. So auch ihr Werk „The Good Girl and the Other“, ein Videoloop nach dem Stop-Motion-Verfahren, in der sie mit sich selbst Plätze in einem Restaurant zu tauschen scheint. Clare Rae setzt sich darin mit dem Rollenverständnis des „braven Mädchens“ auseinander. Die Arbeit wirft ein ambivalentes Licht auf unser Verhältnis zu unseren digitalen Identitäten, auf die Erwartungen, die auf uns ruhen, und wie wir uns dazu verhalten.

Clare Rae: Good Girl and the Other, Video Still

11.05.2017 – Sam Prekop & John McEntire / Stefan Schneider / Karimah Ashadu

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11. Mai 2017
Ort: MUG im Einstein | Einsteinstrasse 42 | 81675 München
Beginn: 20:00, Einlass: 19:30
Eintritt frei

Sam Prekop & John McEntire (USA)
Stefan Schneider (D)
Medienkunst: Karimah Ashadu (UK / NG)

Sam Prekop und John McEntire sind zwei der prägendsten Gestalten der Chicagoer Post-Rock-Szene. John McEntire mit Tortoise, beide zusammen mit The Sea and Cake haben eine ganze Generation an Musikern geprägt. Jetzt werden die Karten neu gemischt. Wie schon „Old Punch Card“ (Thrill Jockey) setzt sich auch das aktuelle Album „The Republic“ (Thrill Jockey) deutlich von Sam Prekops Arbeiten mit the Sea and Cake oder seinen bisherigen Solo-Alben ab. Prekop schichtet abstrakte Ebenen aus modularen Synthesizern übereinander, verwebt sphärische Flächen mit stakkato-artigen Rhythmen. Und doch bahnt sich immer wieder dieses Bekenntnis zur Melodie seinen Weg. Die typische rhythmische Leichtigkeit von The Sea and Cake arbeitet sich im elektronischen Gewand an die Oberfläche, um sogar manchmal in einem harten House-Beat zu münden. Die Tracks sind genau strukturierte elektronische Mikrogeschichten. Wir sind unglaublich gespannt, wie Sam Prekop und John McEntire dieses experimentelle Set umsetzen.

Stefan Schneider ist Musiker und Photograph. Er ist Gründungsmitglied von Kreidler und To Rococo Rot und wirkte entschieden daran mit, einen spezifischen Sound Düsseldorfer Elektronik zu kreieren. Das Repetetive, Hypnotische des Krautrock verbindet sich mit der präzisen, kühlen Ästhetik der elektronischen Musik. Stefan Schneider brachte einige der spannendsten Kollaborationen auf die Bühne, die wir kennen: sei es mit Hans-Joachim Roedelius, Sven Kacirek oder Klaus Dinger. Sein Solo-Projekt Mapstation ist die wohl abstrakteste Arbeit Stefan Schneiders, feingliedrige Kompositionen aus elektronischen Versatzstücken, Flächen und Bass-Computern.

Die britisch-nigerianische Künstlerin Karimah Ashadu bringt die Ästhetik digitaler Bewegungserfassung mit dem Handgemachten zusammen. Ihre Arbeit „Makoko Sawmill“ zeigt ein Sägewerk in der Bucht von Lagos, in der Bäume aus ganz Nigeria zusammenschwimmen. Die Arbeiter des Werks werden von einer eigentümlichen, von der Künstlerin entworfenen blauen Vorrichtung im Bildvordergrund verfolgt. Die Apparatur verfolgt die Bewegung der Personen und bringt die kühle, automatische Personenüberwachung absurderweise in ein Umfeld, in dem alles per Hand gemacht wird, auch der Überwachungsapparat selbst.

05.05.2017 – Martin Messier / Lau Nau / Liam Young

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5. Mai 2017
Ort: MUG im Einstein | Einsteinstrasse 42 | 81675 München
Beginn: 20:00, Einlass: 19:30
Eintritt frei

Martin Messier (CA)
Lau Nau (FI)
Medienkunst: Liam Young: „In the Robot Skies“

Martin Messier (Prix Ars Electronica 2010) aus Montreal nutzt die elektromagnetischen Felder die uns umgeben für eine spektakuläre Performance. Die Signale dieser Felder werden mit Mikrophonen erfasst und bilden die Grundlage seiner Musik. Mit zwei überdimensionierten Schaltflächen werden eine Vielzahl an Eingängen und Ausgängen verknüpft, von Messier mit LED-Kabeln energetisch in Licht und Klang umgewandelt. Dabei bewegt er sich zwischen den zwei Schaltflächen wie zwischen den Polen der Hochspannungsanlage des Deutschen Museums. Und wer den wohligen Grusel angesichts der sich bäumenden, knallenden Ströme kennt, kann sich vorstellen, dass diese Performance ein kraftgeladenes Erlebnis ist, unsichtbare Phänomene zu einer intensiven körperlichen Erfahrung werden lässt.

Lau Nau ist Laura Naukkarinen, eine der spannendsten Vertreterinnen der finnischen experimentellen Musik. Sie verbindet die erdige Verbindlichkeit finnischer Folklore mit den abstrakten elektronischen Ebenen der digitalen Musik. Sampler, Looper und zu Flächen geronnen Stimmen heben ihre Musik in eine verquere Entrücktheit.

„In the Robot Skies“ des britischen Regisseurs Liam Young (Unknown Fields Devision) ist der erste narrative Film, der komplett mittels automatisierter Drohnen gedreht wurde. Es ist eine Auseinandersetzung mit der kulturellen Rolle der Drohne: als ambivalente Vermittlerin zwischen realer und digitaler Welt, als Mittel der Überwachung, als Objekt von Hackern und Subkulturen, und als Gefährt, mit dem sich die Teenager der Zukunft Liebesbriefe zukommen lassen.

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